Ich hab im Laufe der letzten Woche ein neues Hobby entwickelt:

Ich sammle rumliegenden Plastikmüll ein.

Also eigentlich mach ich das schon länger, nur nicht so intensiv und gezielt. Bisher hab ich immer mal wieder was aufgehoben und weg geworfen, was so rumlag. Ne Zeitlang täglich immer mal wieder was, zum Beispiel hab ich jedes Mal, wenn ich zu meiner Garage ging so rumliegende Schnapsfläschchen mitgenommen, weil zwischen meiner Wohnung und meiner Garage ja auch eh ein Altglascontainer ist. Und irgendwie hab ich es mit der Müllverwertung. Bin schon manchmal etwas pingelig und kleinkariert bei so was – und Schnüggels gelegentlicher Hang zum Bünzli hat das Ganze noch gefördert. Beispielsweise hatte er damit begonnen, beim Altpapier bei Umschlägen die Fenster raus zu reißen – ich kann inzwischen keine Umschläge mehr MIT Fenstern ins Altpapier werfen. Geht nicht. Schlimm. Echt! Fühle mich gleich als „Umweltsünderin“ – dabei kommt mir das große .. ähm .. Speien, wenn ich in unsere Altpapiertonne vom Haus guck, wo die Leute dann in Plastik verpackte Werbung rein schmeißen oder Pizzapackungen – am Besten noch inklusive Alupapier und Speiseresten. Da könnte ich echt ausflippen!

Eigentlich wollte ich schon lange bei Let’s putz! mitmachen – hat aber meist nicht geklappt, weil die Aktion immer in die Arbeitszeit eines normale arbeitenden Menschens fällt. Dieses Jahr hat es trotzdem zum zweiten Mal geklappt. Ich hatte ja auch im Mai noch reduzierte Arbeitszeiten. Einerseits hab ich ja die mitwirkenden Kinder bewirtet, Getränke ausgegeben, Tische abgewischt für die nächsten kleinen Gäste und so – doch gegen Ende ließ ich es mir nicht nehmen, auch mal mit einer Zange los zuziehen und zu sammeln. Völlig durchweicht, aber glücklich kam ich nach ner guten Stunde zurück – alle waren inzwischen weg, denn die Aktion war eigentlich schon rum und und mein Kollege hatte mit meiner Frau noch extra auf mich gewartet. Ich war da schon erstaunt, was ich so alles aus den Büschen zog – unter anderem ne Baseballmütze und ne (anscheinend noch gefüllte) Cremedose.. Bei dieser Aktion hat ich tatsächlich (aller Genauigkeit zum Trotz) alles in einen großen, grauen Sack gesammelt – Papier, Plastik, Glas … der war am Ende nicht so voll, wie er gefühlt sein müsste, nach dem, was ich alles gesammelt hatte.

An dem Tag sprachen mich auch zwei Leute an. Eine Dame fragte nur einfach, ob heute Let’s putz sei und auf mein Bejahen hin, bedankte sich dafür, dass ich mitmachen würde. Ein Herr machte sich dagegen schon mehr Gedanken: Er fragte mich, was ich da täte. Auf meine Antwort hin, dass ich Müll aufsammeln würde, fragte er nochmal genauer nach, ob ich das freiwillig machen würde oder machen müsste. Ich musste lachen, denn ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass jemand meinen könnte, ich hätte sozusagen die Strafe „Müll aufsammeln“ bekommen – doch stimmt: Hab ich glaub schon mal bei ner amerikanischen Serie gesehen, dass es so was gibt.. Bei uns auch? Keine Ahnung.

Nun, ich machte das jedenfalls freiwillig – und empfand es als regelrechte Meditation. Ich war so richtig im Hier und Jetzt und im Flow.

Ich hab also bei Let’s putz einfach die Sammelzange nicht abgegeben und behalten, um auch mal so sammeln zu können. Ja, und nun hab ich es letzte Woche auch gemacht.

Motiviert war ich ja eh schon, doch trotzdem liefen mir in den vergangenen Wochen immer wieder Dinge über den Weg, die mich noch in meinem Vorhaben bestärkten. Zum Beispiel flatterte in mein Mailfach eine Petition, die ich beim ersten Lesen für kompletten Unsinn hielt.

Die Petition forderte Pfand auf Zigaretten und Zigerattenschachteln..

„Also echt!“, dachte ich, „wie soll DAS denn gehen?!“

Tja – die Petition erklärt es. Auch wenn ich noch ein bisschen an der tatsächlichen Umsetzbarkeit zweifle, halte ich das Ganze im Kern für eine gute Idee, denn tatsächlich ist es ein Wahnsinn, wie viele Zigarettenkippen rumliegen – viele davon direkt um einen Mülleimer! Dass so ein Filter aus Kunststoff besteht, war mir bis zu der Petition hin echt nicht bekannt, dass er voll mit Giftstoffen ist, ist logisch – war mir nur einfach nicht bewusst. Ich meine, Schnüggel ist ja Raucher und geht schon immer sehr bewusst mit seinen Kippen um. Er hat die ganzen Jahre, die ich ihn kenne keine in die Natur geworfen oder auf die Straße. Er hat immer ne alte Packung in der Hosentasche, wo er die Kippen rein tut, falls er keinen Mülleimer in der Umgebung hat. Also eigentlich praktiziert er das Thema „Taschenaschenbecher“ seit Jahr(zehnt)en.

Über die Petition bin ich auf die Seite der Aufheber gestoßen.

Was die machen? Also im Prinzip das, was ich auch gemacht hab – nur hatte ich kein eigenes Wort dafür.

Die Aufheber regen an, dass jeder aktive Aufheber drei Teile am Tag in einen naheliegenden Mülleimer bringt.

Im Moment bin ich dann sozusagen ein „Mega-Aufheber“, denn derzeit zieht eine Frau mit Holzzange und Gelbem Sack bewaffnet durch unseren Stadtteil.. ja – das bin ich.

Im Gelben Sack sammle ich vorzugsweise Plastikzeug, doch natürlich auch Alumüll oder was sonst so in den Gelben Sack kommt. „Normalen“ Müll lass ich jedoch auch nicht unbedingt liegen (bekomm ich nicht so richtig hin), sondern schau, dass ich ihn in naheliegenden Mülleimern unterbringen kann. Läuft meist ganz gut, führt allerdings so manchen zu witzigen zurückgelegten Wegen, wenn man mich von oben her beobachten würde. Naja, eigentlich braucht man mich dazu gar nicht „von oben her“ beobachten.. *lach*

Besonderen Augenmerk lege ich zeitweise auf Zigarettenstummel, insbesondere, wenn sie in recht naher Umgebung zu einem Mülleimer liegen. Ich bin schon richtig geübt darin, bis zu vier oder fünf Kippen auf einmal aufsammeln zu können 😉

Eigentlich sollte ich mit zwei Säcken arbeiten, doch ehrlich gesagt hab ich dazu keine richtige Lust im Moment. Noch komm ich gut durch mit meiner Methode.

.. und meinen täglichen Schritten kommt es auch zugute 😉

Freitag wurde übrigens der erste Gelbe Sack mit Verpackungsmüll aus dem Quartier von der Müllabfuhr abgeholt. Nein, ich hab ihn nicht ganz voll gesammelt bekommen. Tatsächlich braucht das wohl ne ganze Weile, weil das was mir sehr oft ins Auge fällt sind Bonbonpapierchen und dieses Plastik, was von den Zigarettenhüllen kommt, wenn man sie oben aufreißt. Mit solchen „voluminösen“ Beuten kann ich natürlich ne Weile sammeln, bis der Gelbe Sack voll ist 😉

Interessant find ich übrigens, dass mich an diesen bisher vier Abenden noch NIE jemand angesprochen hat. Komisch, oder?

Naja, vermutlich denken die Leute, ich bin ein bisschen bekloppt oder so. Auch egal. Ich bin auch hier beim Sammeln völlig in meiner Mitte gewesen – irgendwie ist das ausgleichend wie ne Meditation für mich.

Allerdings hab ich schon die passende Antwort, wenn mich jemand fragen sollte, warum ich den Müll aufhebe.

Ich würde einfach sagen: „Viel interessanter ist doch: Warum lassen ihn die anderen liegen?“ – und damit meine ich nicht nur denjenigen, der ihn fallen gelassen hat, sondern auch die vielen, vielen Leute, die möglicherweise tagtäglich und unter Umständen seit mehreren Tagen, Wochen, Monaten, Jahren (?!) dran vorbei laufen 😉

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