Tja, also ich weiss nicht so genau – ich sagte zu Schnüggel, als wir von Mama gingen, das wäre der zweitschlimmste Heilig Abend gewesen, den ich je hatte. Schnüggel meinte dann nur, es war weniger schlimm, als er es angenommen hatte.. Naja – ich bin mir aber auch nicht so sicher, wie denn nun eigentlich die anderen furchtbaren Heilig Abende genau waren – also in welcher Reihenfolge die drei schlimmsten nun sind.

Auf jeden Fall war es ein eher unangenehmer Heilig Abend. Das steht fest.

Und ich fürchte, dass in der Zukunft eigentlich nur noch solche Heilig Abende auf mich warten – in unterschiedlichen Ausprägungen halt – doch schönes, familiäres Weihnachten ist wohl Geschichte für mich. Ausgestorben.

Tja, was war nun eigentlich?

Also Schnüggel kam gegen drei zu mir. Ich war irgendwie mal wieder zeitlich etwas unorientiert (wie so oft) und nahm gar nicht richtig wahr, dass es ja eigentlich praktisch gewesen wäre, gleich zu Mama zu gehen.. Und da ich noch schnell mal eben sein Geschenk verpacken wollte, empfing ich den armen, kranken Kerl mit „Ksch-ksch!“ aus dem Schlafzimmer.. Und der Ärmste hörte sich echt nicht gut an. Naja, und dann daddelte ich noch mit duschen und Bilder ins Smartphone hochladen rum. Damit ich Weihnachtsgrüße verschicken kann..

Zudem hatte ich (allem Aberglauben zum Trotz) die Waschmaschine angeworfen ohne zu realisieren, dass diese erst gegen halb sechs fertig sein würde – also ein völlig bekloppter Zeitpunkt, weil ich da in keinem Fall daheim sein würde. Hätte ich gleich das Eco-Programm nehmen können, das noch zwei Stunden mehr braucht..

Naja – irgendwann gegen halb fünf oder so rief ich dann bei Mama an und meinte, wir würden dann jetzt kommen – mit Würstchen und Kartoffelsalat und so halt.. Mama war völlig durch den Wind und meinte, sie wüsste von nichts und wäre den ganzen Tag schon komplett verwirrt und auf meine Frage, was denn los sei, meinte sie nur, wir sollten dann halt mal kommen „wenn wir das so wollten“. Okaaay – ist ja jetzt nicht so ungewöhnlich an Heilig Abend zusammen zu feiern, dachte ich.

Als wir mit Sack und Pack bei Mama ankamen, raunzte die erst mal rum. Die Schwestern hätten sie in eine Wohnung wie ihre verschleppt und um sie zu verwirren, hätten die dort auch noch das gleiche Geschirr gehabt wie bei ihr daheim. Und sie hätten gesagt, jetzt wäre ne Party bei ihr. Warum ihr keiner gesagt hätte, dass wir eine Party bei ihr machen! Und wer denn noch alles kommen würde?! Und sie hätte für sowas keine Kraft, aber wir sollen halt mal einfach machen und sie würde dann halt einfach ins Bett gehen. Später bekam ich mit, dass im Fernseher Bill Murray dauernd was von „Weihnachtsparty“ erzählte – vielleicht hatte sie es dort aufgeschnappt??

Na das sind ja schon mal tolle Voraussetzungen für einen angenehmen Heilig Abend – eine durchgedrehte Mutter. Nerv.

Ich konnte dann nicht anders, als mal kurz unter einem fadenscheinigen Vorwand aus der Wohnung zu fliehen. Ich ging „zum Briefkasten“ … also war mir auch klar, dass da nichts drin ist – und zudem hatte ich einen falschen Schlüssel mit (meinen Wohnungsschlüssel, der bei Mama am Brett hängt, am Rande bemerkt) und musste dann später klopfen, um überhaupt wieder in die Wohnung zu kommen.

Da Mama immer noch ziemlich motzig war und rummaulte, sie würde eh nichts essen, beschlossen Schnüggel und ich, wir könnten ja einfach Kaffee trinken. Damit war Mama dann auch einig. Also gab es Kaffee für alle, die Reste des kürzlich gebackenen Kuchens für Schnüggel und mich und Hefezopf für Mama. Und die Stimmung wurde friedlicher.

Da ich je eine Kleinigkeit für Mama und für Schnüggel hatte, plante ich noch eine Bescherung und üblicherweise wird bei uns eigentlich immer vor der Bescherung gesungen. Doch Mama war immer noch auf Widerstand gebürstet und somit spielten wir halt ein paar RUnden Mensch-ärgre-Dich-nicht. Ist ein bewährtes Mittel für gute Stimmung bei Mama. Somit spülte ich erst mal das Kaffeegeschirr und alles Geschirr, was sonst so über den Tag aufgelaufen war, bevor wir dann spielten. Das lief ganz gut. Und dann gab es halt ohne Singen Geschenke für Mama und Schnüggel. Schnüggel wirkte eh wirklich kränklich und somit wollte ich den Abend nicht ewig ausdehnen. Auch wenn Mama schon wieder jammerte, sie wüsste nicht, was sie tun solle. Und dass ja keiner da sei. Und die Schwestern gesagt hätten, sie würden heute nimmer kommen (nein, tun sie nicht nachts – die kommen nie nachts).

Wie auch immer – zumindest waren die Geschenke ein voller Erfolg. Schnüggel freute sich total über seinen lustigen Stiftehalter und Mama über ihr kleines Engelchen. Ich packte auch ein Geschenk aus: Ich hatte ein Paket von dem freundlichen Musikprofessor, den ich in der Kur kennengelernt hatte, geschickt bekommen. Ein Bild – das war klar … und was für ein schönes!! Ich bin total glücklich gewesen! Keine Ahnung, wo ich es aufhänge, aber es ist wirklich wunderschön!

Dann gab es noch nen Tee für alle – naja, ausser für Mama, die zwar nen Tee bekam, aber nicht getrunken hat. Dabei hätte ihr der Tee bestimmt gut getan, das war ein Schlaf- und Nerventee. Zumindest nahm sie die Wärmflasche an, die ich ihr machte, als sie über Schmerzen klagte. Und die hat wohl auch geholfen, zumindest ein bisschen gegen das Bauchweh. Im Anschluss klagte Mama jedoch über Rückenschmerzen, bei denen ich auch nicht helfen konnte. Eine Wärmflasche würde dafür nicht helfen.. Also gut..

Gegen neun gingen wir dann heim.

Daheim gab es dann die Würstchen und den Kartoffelsalat für mich. Der kranke Schnüggel hatte keinen Appetit.

Naja. Alles in allem ein etwas frustrierender Heilig Abend. Aber gut. Haben versucht, irgendwie das Beste draus zu machen..

Ich hoffe nur, das war nicht mein letzter Heilig Abend mit Mama. Naja – an meiner Wäsche kann es nicht liegen, hab ich beschlossen. Zum einen wird die Wilde Jagd nicht durch mein Badezimmer oder meinen Dachboden reiten und zum anderen hab ich keine grossen Wäschestücke, sondern nur Jeans, Oberteile und Socken. Nichts, was sich als Leichentuch für die Wilde Jagd eignet. Doch irritierenderweise hängen echt grosse Decken von den Nachbarn auf dem Dachboden rum… die Nachbarn sind wohl nicht abergläubisch. Naja, kommen die meisten auch aus anderen Kulturkreisen und kennen die Rauhnächte vermutlich gar nicht..

Advertisements