Bei mir hatte die Morgenstund heute früh definitiv kein Gold um Mund – eher Blei im Arsch. Doch das trifft es nicht so ganz, der Blei war mehr in der Seele.

Das Wochenende über war ich mit Aufräumen beschäftigt und auch beim Besuch von der Kollegin mit Neugeborenem mit meiner Kollegin (und natürlich Schnüggel) war zwar das berufliche Thema da (klar, die Kollegin daheim wurde informiert, dass mein Chef geht. Ihre erste Reaktion war die gleiche, wie bei jedem von uns, ein entsetzt gehauchtes „Scheiße!“), doch trotzdem irgendwie eher „mit Abstand“.

Morgens, im Bett, wenn ich den Arbeitstag starten soll, da ist es ganz anders präsent.

Und vom Gefühl her fühle mich an schlimmere Zeiten erinnert – da, wo jedes Aufstehen ein Kampf war. Jeden Morgen war es schon eine immense Anstrengung, überhaupt aus dem Bett zu kommen und zur Arbeit zu gehen. Öfters als einmal hab ich es schlicht nicht geschafft.

Ganz so extrem ist die Hürde nun heute nicht gewesen, ich habe allerdings definitiv ein Gefühl von „Blei in der Seele“, das mich runterzieht und ich weiß nicht, wie das alles weitergehen soll..

Soll ich die Stelle wechseln?
.. aber wohin? Was will ich überhaupt? Also wirklich!

Soll ich mich als Nachfolgerin für meinen Chef bewerben?
.. aber traue ich mir das zu? Und die Kollegen? Trauen die mir das zu? Eigentlich sollte ich es mir zutrauen. Doch … *schluck*
Doch mal ehrlich: Wieso sollte irgendjemand, der neu (!!) daherkommt besser sein, als ich?! Der muß doch auch erst mal alles neu lernen hier!

… und eigentlich hab ich null Bock mich mit dem Ganzen zu beschäftigen.

Ich will, dass es so bleibt, wie es ist.

Es war nicht super – doch irgendwie gewohnt und halbwegs war ich arrangiert mit der Gesamtsituation. Es war alles schon VIEL schlimmer hier für mich.. Siehe oben, als ich morgens teilweise gar nicht aus dem Bett kam.

Und trotzdem fühlt sich alles gerade so komisch an. Ich hab das Gefühl, den Umbruch nutzen zu müssen .. weiß aber nicht wirklich, wie und ob ich das wirklich will und hab zu viel Ängste und Blockaden. Und Angst, dass ich dann jemand vor die Nase gesetzt bekomme und wie es dann ist mit dem.

Ich hab mich ja schon auf andere Stellen mit Führung beworben .. doch irgendwie war ich auch immer ganz froh, wenn ich ne Absage bekommen hab. So tief drin. Ganz tief drin.

Was ist bloß kaputt in mir, dass ich mir so was Gehobenes nicht zutraue?

Bei jeder Müllsammelaktion oder sonstigen Sache, die eine „niederwertige Tätigkeit“ ist, bin ich sofort dabei und mir nicht zu schade..

Das finde ich an sich eine gute Eigenschaft. Nur, dass ich mich nicht auch „zu Höherem berufen“ fühle, sehe ich langsam als Problem.

Eigentlich spiegelt sich das auch in der Theaterrolle wieder, die ich ja dann doch nicht mit der neuen Mitspielerin getauscht hab. Ich mochte meine  kleine Rolle von Anfang an nicht. Bin nun enttäuscht, wie klein sie doch tatsächlich ist (weil drei meiner gefühlt zwanzig Sätze auch noch von hinter der Bühne hervorgerufen werden!) und neidisch, wenn die Theaterkollegin ihre große Rolle spielt. Und trotzdem hab ich mich nicht getraut zu sagen, dass ich die große Rolle möchte. Dass ich einen Anspruch auf diese  große Rolle habe, weil ich so lang dabei bin und es auch KANN! Und WILL! Hab mich nicht getraut, meinen Platz einzunehmen. Hatte „gute Gründe“ wie, dass ich noch bei der Kinderbetreuung mitmachen möchte in den Herbstferien und dass wir von der Altersverteilung her doch so rum viel besser passen…

Doch irgendwie ist steckt wohl sowas wie Versagensangst dahinter … und das Gefühl, nicht zu viele Blicke auf sich ziehen zu dürfen. Oder sowas ähnliches.

Ein komisches Selbstbild.

.. und irgendwo im Hintergrund steigt das Bild meiner Mutter auf, die auch immer einen auf Opferrolle machte. Selbst, wenn sie was angriff, hab ich (zumindest aus heutiger Sicht) immer einen Schleier von „Aufopferung“ bei ihr dabei..

Hmm ..

Kein Wunder hab ich morgens Blei in der Seele und am Tag „Aggressionshemmungen“ (wie meine Therapeutin so schön sagt).. Irgendwie ergibt es Sinn … auf eine für mich noch nicht richtig greifbare Art, die jedoch wie eine Ahnung im Raum schwebt.

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