Stehe unter Fremdstress.

.. was das ist?

Naja, zum Beispiel, wenn man mit der einen Kollegin ausmacht, man besucht die andere Kollegin, weil die ein Kind bekommen hat. Und man fährt zusammen hin, weil diese Kollegin geschätzt 150 km entfernt wohnt.

So weit, so gut.

Wenn die Kollegin dann aber zu Dir sagt:„Also ich komm am Sonntag dann zu Dir..“ bricht so ein mittlerer Anfall von Stress bei mir aus. Insbesondere, wenn ich dann versuche, es umzulenken und lässig erwidere:„Ach, wir holen Dich einfach am Bahnhof ab, das liegt ja eh am Weg und wir können schneller los. Du brauchst wirklich nicht extra bis zu mir laufen..“ und dann die Antwort bekomme:„Nee, nee – ich möchte doch gern wissen, wie Du so wohnst.“

Da genügt dann nicht mehr der Ausdruck „Stressanfall“ (egal, welche Stärke) für mein Gefühlsleben, dafür gibt es nur noch einen Ausdruck: Blankes Entsetzen!

Wie ich wohne, willst Du wissen?! .. in einem erstklassigen Chaos!

Die Messie-Experten hätten gut ne Beschäftigung bei mir! Echt!

Ich dann so mit unterdrückter Panik:„Ach weißt Du, das ist nicht soo ne tolle Idee .. bei mir ist es schon etwas chaotisch, also …“ und meine Kollegin meint dann ganz selbstverständlich:„Ach was .. Du brauchst auch wegen mir nicht extra aufräumen!“

Ähm .. DOCH, Mädel! Das ist WIRKLICH notwendig! *Panikanfall*

Die Leute sagen sowas immer so lässig .. vor allem, ohne meine Wohnung zu kennen. Wie können die dann sowas sagen, bitte?!

Eigentlich möchte ich sie am liebsten nicht reinlassen, meine Kollegin. Obwohl ich sie echt gern mag. Aber echt jetzt: Ich bin nicht der Typ, der Leute, die an der Tür klingeln, herein bittet! Wäre ich gern. Kann ich aber nicht machen. Weil: Was mach ich denn dann mit den Leuten?!

Ohne Ankündigung gibt es bei mir keinen Sitzplatz auf der Couch. Und das ist durchaus wörtlich gemeint: Die Couch ist nämlich normalerweise zu voll mit Kram!

Meine Kollegin hatte natürlich keinen Schimmer, was sie da ausgelöst hatte bei mir und für mich.

Und galant abwimmeln ließ sie sich nicht.

Seufz. Ich ergebe mich also in mein Schicksal.

Ordentlich werde ich es nicht hinbekommen, das ist klar .. doch ich strebe an, es immerhin begehbar zu machen.

Also ist heute Großkampftag. Hab auch Mama zum Helfen her gebeten. Ja, ein paar wenige Menschen dürfen meine Wohnung sogar spontan betreten: Schnüggel, Mama, meine Schwester. Zwei meiner Freundinnen bisher auch und ein Freund, der mal helfen wollte beim aufräumen – die alle stehen  jedoch nicht „plötzlich“ vor der Tür, also kann ich es dann halbwegs ordentlich machen und die wissen auch Bescheid, dass ich ein Ordnungsproblem hab. Deswegen konnte ich auch neben Schnüggels noch Mamas Hilfe heute gut brauchen. Ich hasse es ja heiß und innig, mich mit Wäsche zu beschäftigen, nachdem sie gewaschen ist und trocken. Bügeln .. okay, geht noch einigermaßen. Was gar nicht geht: Zusammenlegen. Und was noch weniger geht: Das Zeug in den Schrank räumen. Also ist es für mich schon eine riesige Entlastung, wenn sie mir „nur“ die Wäsche zusammenlegt. Jetzt liegt die ganze gebügelte und zusammengelegte Wäsche bei mir auf dem Bett. Ich lasse sie immer auf dem Bett liegen. Und erst, wenn ich ins Bett will, kann ich mich überwinden, das Zeug weg zu räumen. Meistens .. hatte auch schon Zeiten, da wurde es irgendwo hin gelegt. Und manchmal dann erst nach nem halben Jahr wieder gefunden, weil irgendwann irgendwas anderes drauf gelegt wurde..

Aber heute nicht. Heute hab ich einen Anlass zum Ein- und Aufräumen.

Hab auch meinen kompletten Schrank in der Küche von glutenhaltigen Lebensmitteln entmistet. Man sollte meinen, ich hätte kaum noch was – wo ich doch seit Jahren auf Gluten achte(n soll). Naja, zumindest achte ich seit ca. drei Monaten wirklich streng drauf. Vorher größtenteils.

Hab aber tatsächlich mindestens 30 Dinge entsorgt. Teils in den Müll, teils Mama mitgegeben.

Schnüggel meinte ja vorhin, er hätte erst mal gedacht, warum ich denn jetzt DAS mache .. wo es doch wichtigeres zu tun gäbe, damit es ordentlicher aussieht.

.. letztlich war das aber genau das Richtige. Nun kann ich nämlich den ganzen Krempel, der draußen in der Küche rumsteht und bisher nicht in die Schränke passte, einräumen! Hurra!

Ich fühle mich echt befreit!

.. auch wenn ich noch einiges vergessen hab, wie mir gerade einfällt: Im Tiefkühlfach ist auch noch Zeug.

Naja .. egal.

Bei meiner Büro-Rumpelkammer wird die Besichtigung zwar wirklich wohl nicht mehr als ein kurzes „Und hier ist mein Büro“ mit kurz Tür auf, Tür zu werden .. doch wenn ich jetzt noch das Bad putze, die Küche putze und aufräume, das Wohnzimmer aufräume und das Schlafzimmer auch – und natürlich den Flur .. DANN, ja dann kann meine Kollegin gern kommen. In gewisser Weise kennt sie ja mein Büro auch und kann sich denken, dass ich nicht sooo die personifizierte Ordnung werde..

Trotz allem: Ich fürchte, es wird ne kurze Nacht. Doch ich hab Hoffnung für die Wohnung 😉

Vielleicht, ja vielleicht sollte ich meiner Kollegin sogar dankbar sein für den Aufräumanstoß. So hat diese Art „Deadline“ zum Aufräumen auch noch was Positives 😀

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