Bin über ein Hörbuch gestolpert und habe es mir gelich gestern gekauft – und schon zu 2/3 angehört..

Morgen ist leider auch noch ein Tag

… zum einen finde ich den Titel ja schon mal sowas von genial!

Der komplette Titel ist übrigens:

Morgen ist leider auch noch ein Tag: Irgendwie hatte ich von meiner Depression mehr erwartet

Mich spricht allerdings der erste Teil des Titels besonders an. Ich hab das zwar noch nie so gedacht – aber es trifft wirklich punktgenau! Ich hätte es denken können. hab ich aber nicht.. aber tatsächlich kenn ich dieses „Und was soll morgen / irgendwann mal anders oder besser sein?“-Gefühl leider nur zu gut.

Überhaupt empfinde ich das Hörbuch nahezu wie eine Erlösung teilweise. Oft erkenn ich meine Gedanken oder Handlungsweisen. Okay – ich komme aus dem Bett. Die Sinnlosigkeit ist jedoch wirklich oft eine mal stille, mal aufmerksamsheischende Begleiterin. Und das Gefühl der Einsamkeit und des „nicht liebenswert sein“. Trotz aller möglichen Tricks dagegen bleibt das Gefühl stets da. Oft im Hintergrund .. und manchmal denk ich sogar mal: „Hey – so furchtbar bin ich ja gar nicht!“. Doch es ist bisher immer wieder zurückgekehrt, das „Keiner liebt mich!“-Gefühl.

.. inzwischen bekomm ich sogar ein schlechtes Gewissen, wenn ich es äußere.  Nein, eigentlich sag ihc es nimmer. Früher, so vor 20 Jahren, da hab ich das oft gesagt, wenn ich mich so fühlte. Heute zeig ich es weniger – verdränge es mehr. Doch es ist ein treuer Begleiter.

Wem kann ich auch sowas sagen?

Jetzt mal ernsthaft?

Schnüggel? .. ich weiß, er liebt mich. Und er zeigt es mir.

Ist es dann nicht ungerecht, ihn damit zu belangen?

Doch – ist es.

Aber ich hab niemanden, mit dem ich darüber sprechen kann. Oder zumindest das Gefühl, niemanden zu haben, mit dem ich darüber sprechen kann..

Weil genau die Leute, mit denen ich darüber sprechen könnte, sind ja die, zu denen ich ein engeres Verhältnis habe und wo es dann befremdlich ist, ihnen Dinge wie „Ich fühle mich so ungeliebt!“ oder „Ich fühle mich so einsam!“ um die Ohren zu hauen. Damit vergraul ich dann glücklich den letzten, der mir geblieben ist.

Aber tatsächlich geht die Spirale in die Einsamkeit nach unten.

Ich hab heute weniger Kontakte, als noch vor zehn Jahren.

Vielleicht schotte ich mich auch mehr ab?

Für den Betrachter von außen bin ich aktiv und kenn viele Leute. Doch das Gefühl der Einsamkeit bleibt.

Auch in der Menschenmenge kann ich einsam sein – hab ich schon vor fast 30 Jahren bemerkt. Als ich mit der Clique in der Disko saß. Alle an einem Tisch, Gespräch, Musik, Gelächter … und in mir ein Gefühl der Einsamkeit. Ich hab das Bild noch vor mir. Naja – besser gesagt: Ich kann die Gesamtsituation noch fühlen. Ich habs nicht so mit konkreten Bildern…

Besonders eindrücklich fand ich bei Tobi Katze übrigens die Beschreibung mit den Antidepressiva.

SOWAS von ICH!!

Zuerst: WAS? MIR Antidepressiva verschreiben?! SO krank bin ich doch wahrhaftig NICHT, das schaff ich allein! Ich muß bloß wollen!

Hab sie dann auch tatsächlich die ersten beiden Verschreibungen (einmal 2001 nach Papas Tod und einmal ca. 2009) einfach überhaupt nicht genommen. Johanniskrautextrakt war das höchste, was ich mit mir vereinen konnte. Ich hatte 2009 die Antidepressiva sogar daheim liegen … nahm sie aber nicht. SO TIEF will ich nicht sinken – fand ich.

Ca. 2013 bekam ich die nächste Verschreibung. Was hab ich getobt bei der Ärztin, dass ich mich nicht abhängig machen lasse und weiß Gott. Als HILFE sah ich das mal gar nicht. Eher als „mich abstumpfen lassen“. Keine Erleichterung … sondern ein Betäuben. ich hatte die Tabletten dann auch beim nächsten Termin nicht genommen. Die Ärztin wirkte nochmal auf mich ein. Eine Freundin wirkte auf mich ein. Also gut … ich nahm ne Tablette.

.. und mich haute es VOLL aus den Socken! Übelkeit, Schwindel – fühlte mich nicht fähig, aufzustehen.

Hallo? Das soll ne Verbesserung sein?! Jedes Mal, wenn ich am Morgen ne Tablette einwarf, mußte ich mich krank melden!

Meine Heilpraktikerin half mir dann. Sie meinte, es wäre ihr schon vor Jahren aufgefallen, dass ich auf alles sehr sensibel reagiere – die Tabletten in der „Erwachsenendosis“ einzunehmen hielt sie aus ihrer Erfahrung bei mir für komplett überdosiert. Zumal noch, wenn man sich auf Gewicht bezieht und dann denkt, man muß mit dem Holzhammer auf mich draufhauen, damit es überhaupt wirkt.

Ich nahm die Hälfte dervorgeschlagenen Dosierung für den Anfang. Und abends. Und so vertrug ich es.

Soll heißen: Ich hatte keine üblen Nebenwirkungen mehr. Eine Verbesserung im Sinne von „Oh, mir gehts so gut!“ oder auch nur „Juhu, mein Geist ist befreit, ich kann wieder klar denken!“ bemerkte ich auch nicht wirklich. Nahm die Dinger dann aber weiter. Ich mein: Ging es mir jetzt wegen der Tabletten besser oder wegen der Thearapie oder überhaupt .. oder manchmal auch überhaupt nicht besser .. wer weiß das schon, wie alles zusammenhängt?

Dann begann die Krankenkasse zu zicken .. wollte diese Tabletten nimmer übernehmen. Ich sollte auf ein anderes Präperat umsteigen, wenn ich weiterhin was nehmen wolle…

HAM DIE NEN VOGEL?!

.. ich hatte schon genug Probleme gehabt, als ich begonnen hatte – auf umsteigen hatte ich echt null Bock. Also ging ich zu meiner Ärztin, dass sie bitte begründen solle, dass ich dieses Präperat behalten soll. Das war auch möglich. Die Krankenkasse hatte Alternativen vorgeschlagen oder ne Stellungnahme vom Arzt, falls ich weiterhin dieses Präperat nehmen solle.

Meine Ärztin meinte dann, man könne es ja auch wieder absetzen…

Für mich ging nur das ganze Drama wieder los .. nur umgekehrt.

Hatte ich zuerst Angst gehabt, die Tabletten könnten mich betäuben, einlullen und süchtig machen, hatte ich nun Angst, dass ich dem Leben ohne Tabletten nicht mehr gewachsen sei. Wer weiß, wie es sich auswirkt? Häng ich dann nur noch apatisch in der Ecke? Komplett antriebslos?

Ich fühlte mich also tatsächlich abhängig – wenn auch (vielleicht) „nur“ geistig.

Hab das Zeug dann doch ausgeschlichen .. und mich auch von dieser Ärztin „ausgeschlichen“ .. was ist das für ne Ärztin, die einem zuerst Tabletten „aufzwingt“ und dann einund halb Jahre später wegen einem Brief von der Krankenkasse wieder die Tabletten absetzt? So mit der Begründung zuerst „Ach, ich hab das Gefühl, Sie sind ja völlig emotional daneben, das tut Ihnen gut.“ und später dann „Ooooch, jetzt wo ich diesen Brief hier lese, fällt mir ein: Das brauchen Sie doch eh nimmer…“

.. und überhaupt hat die Frau mich eh hochgradig aggressiv gemacht mit ihrer Art.

Also gut .. wie auch immer.

Ich find das Hörbuch gut und beeindruckend – witzig und ich find mich manchmal wieder (nicht in allem – wie ich finde: zum Glück!) .. und hab jetzt auch neues Lesematerial im Blog von Tobi Katze gefunden:

Das Gegenteil von traurig

Tobi Katze

Advertisements