Gestern hab ich ein Hörbuch gehört .. und es hat mich tief beeindruckt.

Beeindruckt ist nicht das richtige Wort, denn darin schwebt etwas Positives und wahrlich: An dem Thema des Hörbuches ist NICHTS positives, wenn man davon absieht, dass es aufrüttelt. Vielleicht wäre „erschüttert“ angebrachter .. doch das trifft (so schlimm es klingt) im Moment nicht wirklich auf mich zu. Vielleicht, weil es derart unbegreiflich für mich ist, dass ich es nicht in voller Härte an mich ranlasse.

Das Hörbuch heißt Seelenficker.

Es ist ein Tagebuch, dass von einem drogenabhängigen Schulmädchen geschrieben wurde, die auf dem Babystrich ihre Sucht finanziert.
Und das Tagebuch ist echt.
.. während ich das schreibe, bekomme ich ne Gänsehaut.

Natürlich bekommt weiß ich, dass es auf dieser Welt einiges an unvorstellbaren Dingen gibt – und vom Babystrich hatte ich schon vor 15 Jahren in Christiane F.’s Wir Kinder vom Bahnhof Zoo gelesen.

.. wirklich begriffen hab ich es wohl nicht.

Es ist nicht wirklich zu mir durchgedrungen, dass es ja nicht nur die Seite dieser Kinder gibt, die eben jung sind und es deswegen „Babystrich“ heißt .. sondern, dass es hier wirklich UM diese Kindheit der Prostituierten geht.
.. obwohl das natürlich auf der Hand liegt.

Und beim Babystrich geht es nicht ausschließlich „einfach nur um Sex“ – hast Du gezahlt, nimmt sich so manch einer wirklich raus, dass er mit der Ware wirklich machen kann, was er will … egal, was für Konsequenzen das für das „gekaufte Objekt“ hat. Gruselig. Abartig und zutiefst gruselig..

Nataschas Schreibstil in Seelenficker ist derart eindrücklich, sie schreibt unumwunden, was geschieht, wie sie es erlebt, was sie fühlt und wirft fast im Vorbeigehen noch wirklich tiefgründige Fragen auf … bei mir als Hörer schaltet sich da fast automatisch der Filter ein, denn würde ich wirklich reinfühlen in das, was ich da höre: Es wäre unerträglich.

… und sie durchlebt es.

Der unglaublichste Aspekt an der ganzen Sache ist:

Und es gibt Männer (und ja, es sind in dem Fall wirklich nur die Männer), die das TUN. Die regelmäßig hingehen und sich ein kleines Kind zum ficken kaufen.

.. ich schreib das so, wie es auch in dem Hörbuch gesagt wird – und es einfach ist.

An einer Stelle schreibt Natascha: „Wer weiß, ob er sich in diesem Moment vorstellt, dass ich seine Tochter bin – ob ich gerade sie davor bewahre, dass er sich an ihr vergreift..“

.. wie krank das ist!

… wie wahr das ist??? .. oder zumindest sein könnte?

Wie will man gegen den Wahnsinn der Gesellschaft, der Menschen ankommen?
Gegen solche Begierden, die man nur als „krank“ bezeichnen kann – gibt es da überhaupt eine Chance auf Heilung?
Für die Welt, die Menschen ….

Mir fehlen die Worte.

… und trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) finde ich solche Bücher wie „Seelenficker“ so wichtig, richtig und mutig.

Obwohl Natascha auf der Webseite zum Buch schreibt, dass ihr die Bewunderung anderer nichts nutzt, finde ich es nicht nur erwähnenswert sondern auch bewundernswert, dass sie es trotz Drogenrausch und schwerster Selbstverletzung in jeglicher Form geschafft hat, aus dem Sumpf rauszukommen. Auch wenn sie noch jeden Tag kämpft.

Ein Wahnsinn, was für eine Kraft und Intelligenz in ihr steckt – ich wünsche ihr auf tiefstem Herzen, dass sie das und auch ihren Selbstwert erkennt und weiter ihren Weg geht.

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