Heute also wie angekündigt:
Desperate Houseman‘s Blogjulklapp-Beitrag für mich.
Herzlichen Dank an den DH – und viel Spaß beim Lesen an den Rest
Liebe Leser und Leserinnen,
hier schreibt ein Mann. Also soweit ich weiß, bin ich auch einer. Und das trotz meines Desinteresses an Fußball und jeglichen alkoholischen Getränken. Ich gebe zu: Bei dem Namen Barbarella verschwendete ich meinen ersten Gedanke an eine Frau: Älter, groß, blondes struppiges Haar, welches zu zwei langen Zöpfen zusammengebunden ist. Wikingerhut. Kräftig. Also mehr so Richtung Mannsweib. Bei Wikipedia habe ich gelesen (Ich schlage sämtliche Dinge, die ich nicht weiss in der Wikipedia nach (manchmal suche ich auch einfach nach Wörten, die ich geschickt in meine Sätze einbauen kann um andere zu verwirren), dass Barbarella auch eine Astronautin war. Und sie hatte erotische Abenteuer. Mit Frauen und Männern. Und damit erinnerte ich mich wieder an mein eigenes Abenteuer vom letzten Jahr – Der Sommernachtstraum mit Winterpolytrauma
Also habe ich meinen Archiven gewühlt und bin fündig geworfen. Zwei Texte wurden bisher so nie veröffentlicht und waren eigentlich mal gedacht ein Buch über diese Romanze zu schreiben. Bei diesem Anfang ist es bis jetzt allerdings geblieben
Ich wünsche viel Spaß mit diesem besonderen Beitrag. Seien Sie nicht böse auf mich – ich meine die Dinge meistens nicht so wie ich das schreibe und der nächste Beitrag wird wie gewohnt wieder von Ihrer Barbarella kommen. Der Wikingerin. Oder Astronautin.
Ihr DesperateHouseman
„L“ wie…
Wussten Sie, dass der Buchstabe „N“ der 14. im Alphabet ist? Unser kleines Büro, welches wir aufgrund seiner verglasten Front liebevoll Aquarium nennen, hatte auf diese Frage ebenfalls keine Antwort. So raten wir munter vor uns hin, welcher Buchstabe an welcher Stelle im Alphabet seine Daseinsberechtigung hat. „L“ sage ich und schaue fragend in die Raterunde.
„L wie…“ entgegnet mir meine Kollegin und formt mit ihren Lippen ein „ove“, während sie mich unentwegt mit ihren wunderschönen blauen Augen anfunkelt.
***
A wie Anfang
Prinzipiell hatte ich in meinem Leben nie ernsthafte Probleme. Aufgewachsen in einem Dorf mit zwei Brüdern konnten wir zwar nicht in Saus und Braus leben, wenn wir allerdings was wollten bekamen wir es auch. In der sechsten Klasse wurde es für mich in der Schule ungemütlicher. Nachdem ich mich von meinen früheren Freunden aufgrund ihrer dämlichen Hänseleien etwas distanzierte, hatte ich urplötzlich fast die ganze Klasse gegen mich. Das ist nicht einfach in diesem Alter, aber es machte mich stärker und selbstbewusster. Ich begann die Menschen um mich herum genau zu beobachten. Vertraue niemandem! Ich verschloss mich vor den anderen, verstellte mich, zeigte keine Emotionen und unterdrückte meine Gefühle. Fortan war ich zwar ein „emotionsloser Arschloch“ aber wenigstens konnte mich keiner mehr verletzten.
Wenn ich eine Frau haben wollte, dann arbeitete ich dafür. Während mich meine allererste Freundin noch spontan mit einem Kuss überrascht hatte, nahm ich bei den nachfolgenden das Zepter für sie unbewusst selbst in die Hand. Ich schenkte ihnen das, was ich jeder Frau gerne schenken würde: Aufmerksamkeit. Ich hörte ihnen zu, analysierte ihre Wünsche und Bedürfnisse, plante Überraschungen und war charmant und witzig. Ich hatte Erfolg.
Ich denke an sie immerzu. Eine Denkpause verschaffe ich mir, wenn ich meinen Pulsschlag beim Laufen über 180 Schläge pro Minute bringe. Da den ganzen Tag durch die Gegend zu rennen keine eigentliche Lösung meines Problems ist, muss ich meinen schweren Kopf wohl akzeptieren. Gibt es denn nichts an ihr, was mich so richtig stört? Keinen Tick der mich zur Weißglut bringen könnte? Warum zum Teufel muss sie so verdammt perfekt sein? Was soll ich tun, was soll ich lassen? Warum macht sie Dinge für mich, die noch nie eine Frau für mich getan hat? Warum fühle ich mich in ihrer Gesellschaft so wohl, dass ich all meinen sonstigen Sorgen hinter mir lassen kann? Warum macht sie mir so ehrliche Komplimente? Warum lächelt sie so zauberhaft? Warum strahlen ihre blauen Augen? Weshalb lässt sie es zu, dass ich in ihrer Nähe bin, wenn sie genau weiß, dass sie anschließend deswegen ein schlechtes Gewissen haben wird. Weshalb riecht sie so gut? Warum? Warum verliebe [dem aufmerksamen Leser ist jetzt sicher nicht entgangen, dass ich das Wort „Liebe“ bisher nicht verwendet habe für das, was ich für sie empfinde. Ich wollte mir vermutlich selbst vormachen, das ganze sei vielleicht nur eine Schwärmerei, ein Zwischenspiel. Ich denke, die Vermeidung eines gewissen Wortes ändert leider nichts an der Tatsache. Wenn ich mir das mittlerweile so eingestehen kann, vielleicht schaffe ich es dann auch meinen Zustand zu verbessern indem ich mir gewisse Handlungen und Gefühlsausbrüche aufgrund meines nichtrationalen Geisteszustandes erklären und akzeptieren kann] ich mich ausgerechnet in eine vergebene Frau…
***
Die Woche mit den viel zu kurzen Nächten
Freitag: Nach einer viel zu kurzen Nacht mache ich nach ausgefallener Mittagspause um kurz nach 4 Feierabend, kehre kurz noch bei einer amerikanischen Imbisskette ein und fahre anschließend nach Hause. 20 Minuten holt mich Miss Perfect und ein weiterer Kollege ein und wir fahren gemeinsam in den Ruhrpott. Nach einem Abendessen mit ihren Eltern fahren wir noch auf eine Studentenparty, bleiben dort jedoch nur für ungefähr eine Stunde. Nach der Rückkehr folgt noch ein kurzer Plausch im Wohnzimmer. Irgendwann stehen wir auf und gehen einen Stock höher auf ihre Etage. Ich folge ihr in ihr Zimmer und sie legt sich mit Jeans ins Bett. Das ist für mich ein sicheres Zeichen, dass sie sich noch mit mir unterhalten will. Ich gehe noch schnell aufs Klo (Tee zeigt seine Wirkung) und kehre dann in ihr Zimmer zurück. Die Jeans liegt neben dem Bett und sie unter der Bettdecke:
“Leg dich richtig hin, dann tue ich dir was gutes”
“Auf den Rücken oder auf den Bauch?”
“Auf den Bauch”
Ich massiere sie, und schiebe dabei je nach Bedarf das Top in die richtige Position. Sie genießt, redet zwar von “ich bin schwach” aber blockt nicht ab. Ich lege mich neben sie, schlafe fast mit ihr ein aber sie meckert alle 5 Minuten “das geht leider nicht”. Als der Morgen schon graut gehe ich daher in mein Zimmer und schlafe ein.
Samstag: Nach einer viel zu kurzen Nacht wache ich auf, springe schnell unter die Dusche und wecke sie. Nach einem reichhaltigen Frühstück schauen wir bei der Firma ihrer Eltern vorbei und mein Kollege holt sein neues Auto in der Nähe ab. Anschließend fahren wir mit einer Freundin von ihr zur Loveparade nach Dortmund. 8 Stunden später stehen wir durchnässt und erschöpft am Bahnhof: “Eine Information der Polizei für die Besucher der Loveparade. Der Hauptbahnhof ist für die nächsten 1,5 Stunden wegen Überfüllung geschlossen”. Miss Perfect ist erschöpft und am Ende. Ihre Mutter erlöst uns aus dem Chaos und holt uns mit dem Auto ab. Zurück bei ihr springen wir in den Pool und kühlen uns ab. Ich bewundere ihre kleinen Brüste unter dem weißen Bikini, die sich bei kaltem Wasser dementsprechend ansprechend abzeichnen. Anschließend setzen wir uns zu dritt ins Wohnzimmer und trinken noch einen Tee. Miss Perfect setzt sich eng neben mich und kuschelt schlägt ihre Beine über meine Beine. Der Kollege schläft ein, sie legt sich jetzt auf die Couch längsseits und legt ihre Beine über meinen Schoß. Ich trinke Unmengen von Tee und lese die Zeitung (…und genieße ihre Nähe).
Oben verabschiede ich mich von ihr, drücke sie noch einmal und beschließe die Einträge des Tages in den Laptop zu hauen. Drei Minuten später höre ich meinen Namen durch die Türe rufen. Ich öffne sie und sie fragt mich: “Ist das der Helikopter von der Loveparade?” Keine Ahnung, aber zuerst sitze ich neben ihrem Bett und massiere ihre Füße und Waden. Ich werde etwas mutiger und wage mich Richtung Oberschenkel vor. Sie stoppt mich nicht – dafür mein Gewissen. Ich lege mich wieder neben sie und schlafe dabei wieder fast ein. Um drei beschließe ich schließlich ins Bett zu gehen, drücke ihr einen dicken Kuss auf die Backe und ziehe mich zurück.
Sonntag: Nach einer viel zu kurzen Nacht wache ich auf, und schlafe erstmal noch eine Runde weiter. Nach dem Frühstück regnet und regnet und regnet es. Während der Kollege bereits nach Hause fährt schaue ich halbherzig Formel 1, streichle den Hund, lese, döse und unterhalte mich mit ihrer Mutter. In der Zwischenzeit richtet sie mit ihrem Vater ihr Ferienmobil. Abends wird gegrillt und wir fahren brechen kurz nach 7 bei ihr auf zu mir. Sie hustet unterwegs und ich bemitleide sie. Während der Fahrt unterhalten wir uns durchgehend und stellen erst nach 2 Stunden fest, dass das Radio überhaupt nicht an ist. Sie ist todmüde als wir bei mir ankommen und ich kann sie überreden bei mir zu schlafen. Wir schauen uns noch kurz die Fotos des Wochenendes an, kurz frischmachen im Bad, umziehen und springen in mein Bett. Beziehungsweise sie schläft in meinem Bett und ich erhebe mich von meinem Schlafsack um ihr zu zeigen, dass es auch auf 1m Breite ausreichend Platz gibt für 2. Ich massiere sie (Schwächen kennen und nutzen) und wir schlafen hintereinandergekuschelt vermutlich so gegen halb 2 Uhr ein. Ich überlasse ihr irgendwann das Bett alleine (“DH, das geht leider nicht…” – das weiss ich ja auch) und schlafe trotz mangelndem Kontakt schnell ein.
Montag: Nach einer viel zu kurzen Nacht wache ich auf, wecke sie vorsichtig und springe anschließend schnell unter die Dusche. Sie frühstückt noch bei uns und ist ausnahmsweise mal etwas schüchtern. Wir fahren gemeinsam bei mir los und kommen gemeinsam am Ziel an – und das, obwohl mein Auto doppelt so schnell ist wie ihres. Egal. Viel Spaß beim Arbeiten aufgrund verdeckter Anspielungen, gemeinsam marschieren wir abends um halb 9 wieder aus dem Büro.
Dienstag: Nach einer viel zu kurzen Nacht wache ich auf und stelle mit Erschrecken fest, dass sie mal nicht neben mir liegt. Nach der Arbeit gehen wir zusammen ins Einkaufszentrum, schauen Damenunterwäsche an (leider keine Anprobe), und ich probiere diverse Anzüge an. Sie unterstützt mich dabei, schlägt Farben vor, hält meine restlichen Sachen und bewertet mich kritisch vor der Umkleide. Beim ADAC werden wir gefragt, ob wir zusammen wohnen. Ich bringe sie heim und drücke sie nochmal kurz zum Abschied.
Mittwoch: Nach einer viel zu kurzen Nacht verschlafe ich. Verdammt. Einmal einen Termin morgens um halb 9 an dem ich eine Kurschulung für ca. 12 Leute geben muss und ich verschlafe. Mit reichlich Mut auf der Autobahn komme ich 10 Minuten zu spät und ziehe das Ding durch. Abends grillen wir gemeinsam im Kollegenkreis. Ich fahre sie anschließend nach Hause und nehme ihr Fahrrad mit zu mir mit.
Donnerstag: Nach einer viel zu kurzen Nacht folgt ein langer anstrengender Tag. Ich helfe ihr abends beim Packen ihrer Habseligkeiten, koche für uns etwas, helfe ihr beim Kuchen backen und komme um kurz vor 12 weg. Dialog des Abends:
“Bekomme ich irgendetwas, damit ich dich nicht vergesse?”
“Willst du denn irgendwas mitnehmen, nachdem ich rieche?”
“Deinen weißen BH den du trägst fände ich super.”
“Woher weisst du, dass der weiß ist?”
Ich stelle die Sachen bei meinem Bruder in den Keller und fahre nach Hause. Dort angekommen bediene ich mich in der nahen wilden Brombeerhecke und pflücke für sie ein Schälchen nachts um 1 Uhr.
Freitag: Nach einer viel zu kurzen Nacht spüre ich, dass ich meine Schlafdefizitstoleranzgrenze überschritten habe. Mir frierts und ich zucke den ganzen Tag über weil mein Körper ins Bett will. Der Abschied von ihr ist kurz:
“Du meldest dich bitte am Sonntag, wie du es dann mit dem Gepäck haben willst. Ansonsten rufe mich an wenn es eine Krise gibt, z.B. dein Auto stehen bleibt oder so. Jederzeit. Dann wünsche ich dir mal eine schöne Zeit, erhol dich gut und bis in 3 Wochen”. Ich drücke sie kurz, auch wenn wir das normalerweise im Büro vermeiden.
Im Auto schiebe ich folgende Kurzmitteilung nach:
“Und damit ich dich nicht vergesse, hole ich mir gleich irgendwas aus dem Koffer
“
Antwort dann heute abend im Chat (nachdem der Freund eigentlich schon da sein sollte…):
“Hey DH, sorry das ich nicht geantwortet habe. Hoffe du hast was schönes von mir gefunden
“
Jetzt ist der Freitag rum. Ich bin müde und will und gehe ins Bett.



12 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Freitag, 4. Dezember 2009 um 00:26
Blogjulklapp 2009: Die Artikel
[...] “Bekenntnisse einer Nichtläuferin” bei Laufloewe. DesperateHouseman schrieb “Blog frei für den Blogjulklapp” bei [...]
Freitag, 4. Dezember 2009 um 08:19
Jouir la vie
Donnerlüttchen, was für ein Beitrag. Na ja, Gäste bleiben halt etwas länger. Gut geschrieben und shcön zu lesen…
Servus und so long
Kvelli
Freitag, 4. Dezember 2009 um 10:22
Merle
Hui, toller Eintrag ;o) Irgendwie spannend, wenn die eigenen Zeilen in anderen Blogs veröffentlicht werden…
Wann, verehrte Astronauten Wikingerin *grins* sind sie noch mal an der Reihe?
Freitag, 4. Dezember 2009 um 10:40
Barbarella
Iich? .. am 18. Dezember, Merle .. bei Exhausted
(ich bibbere jetzt schon bei dem Gedanken und hab NULL PLAN, was schreiben!)
Freitag, 4. Dezember 2009 um 11:36
rebhuhn
TOLL zu lesen! verwirrend, trotzdem.
Freitag, 4. Dezember 2009 um 21:46
DH
An dieser Woche war alles verwirrend. Da hat die Luft so geknistert…
Samstag, 5. Dezember 2009 um 22:59
YodaL
Toller Beitrag! ich freue mich schon auf den nächsten
Dienstag, 8. Dezember 2009 um 08:06
Startschuss für den Blogjulklapp 2009 - BlogFrosch
[...] schrieb “Bekenntnisse…” bei Laufloewe. DesperateHouseman schrieb “Ohne Titel” bei Barbarella. Karsten schrieb “Wo gehts denn…” bei [...]
Dienstag, 8. Dezember 2009 um 22:06
Konna
War richtig schön zu lesen, hat mir wirklich gut gefallen. Will jetzt auch gerne wissen, wie es weitergeht.
Dienstag, 8. Dezember 2009 um 22:24
Barbarella
Ich glaub, da mußt Du beim DH nachfragen..
Dienstag, 29. Dezember 2009 um 22:04
Blogjulklapp 2009: Zusammenfassung & Fazit
[...] “Bekenntnisse einer Nichtläuferin” bei Laufloewe. DesperateHouseman schrieb “Ohne Titel” bei Barbarella. Karsten schrieb “Wo gehts denn hier zum Weihnachtsmann?” bei [...]
Montag, 17. Mai 2010 um 03:07
Mikeharvey
New here, from Toronto, Canada
Just a quick hello from as I’m new to the board. I’ve seen some interesting comments so far.
To be honest I’m new to forums and computers in general
Mike